| Eduard Schlegel - ein Mann mit großem sozialen Engagement | ||
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Der
Name Eduard Schlegel findet sich im Evangelischen Kirchenarchiv erstmals
in einem Brief, den sein Vater Leonard am 22.Juli
1793 - dem sechsten Geburtstag Eduards- schrieb und unter dem
neuen Stubenboden, den er damals in seinem Wohnhaus in der Wassertorstraße
(später Evangelisches Pfarrhaus, dann Kulturhaus) legen ließ, deponierte.
Leonhard Schlegel hatte dieses Haus 1781
erworben; der Sohn Eduard schreibt in seinem Testament über ihn ,"...er
wurde in Isny als Sohn eines armen Zimmermanns 1746
geboren und durch Gottes Segen und seinen Fleiß arbeitete er sich zu Wohlhabenheit
empor und tat den Seinen wie auch seiner Vaterstadt viel Gutes...'' Leonhard
Schlegel kam zu Wohlstand als Leinwandhersteller und Seidengroßhändler
; schon 1808 wird von der Fabrik des
Leonhard Schlegel gesprochen, die jährlich große Mengen Ware in die Schweiz
und nach Italien absetzte. Wir wissen aber auch von ihm, dass er schon
um 1790 aus seinem Vermögen insgeheim
einen Armenfonds abzweigte, aus dem zum Beispiel an Weihnachten Arme beschenkt
und mannigfaltige andere Ausgaben für wohltätige Zwecke zugunsten der
Isnyer Bürger bestritten wurden. Mit 65 Jahren setzte sich der Vater 1811
in Neapel zur Ruhe und überließ dem 24jährigen Sohn Eduard die Leitung
des Geschäftes und die Weiter- führung der Armenunterstützung . Besonders
segensreich wirkten Vater und Sohn Schlegel während der Hungerjahre 1816/17.
,,Je größer die Not, desto größer das Brot '', wies 1817
aus Neapel Leonhard Schlegel seinen Sohn an, und dieser sorgte dafür,
dass lange Zeit jeder Arme und jedes Kind eines Armen in Isny wöchentlich
einen dreipfündigen Laib Brot erhielt - jede Woche wurden 150 Laibe verteilt
- und auch an zusätzlichen Geldspenden ließ es die Familie Schlegel nicht
fehlen. |
Nach dem Tode Leonhard Schlegels 1824 richtete Eduard am 10.Oktober 1825 in seinem Haus in der Wassertorstraße eine evangelische Elementarschule ein und bezahlte den Lehrer aus eigener Tasche. In seinem Testament im Juni 1830 bestimmte er, dass ,"... aus meinem Vermögen 10000 Gulden gut und sicher angelegt werden; der Zins davon soll zur Besoldung eines Elementarschullehrers und wenn es hinreicht, einer Industrielehrerin verwendet werden. Der Lehrer und die Lehrerin sollen stets Personen sein, auf deren Redlichkeit und Religiosität zu bauen ist damit die ihrem Unterricht anzuvertrauenden Kinder Gutes lernen und in der wahren Bibellehre befestigt werden können...'' 10000Gulden stellten einen erheblichen Wert dar, wenn man weiß, dass ein Lehrer damals jährlich 300 Gulden erhielt und dass ein Bürgerhaus in der Stadt für 500 bis 1000 Gulden zu haben war! Eduard Schlegel wollte wohl dazuhelfen, dass auch Kinder aus den unterprivilegierten Schichten eine Schule besuchen und eine Grundbildung erwerben konnten. Die Schlegelsche Schulstiftung bestand rund 70 Jahre; noch 1901 wurde der evan- gelische Elementarlehrer überwiegend aus den Mitteln der Stiftung besoldet. Im letzten Abschnitt seines Testaments betont Eduard Schlegel, ,"...dass ich dieses Vermächtnis nicht in meinem, sondern im Namen meines seligen Vaters Leonhard Schlegel und zum Andenken an ihn gemacht habe...'' Im September 1830 starb Eduard Schlegel, erst 43 Jahre alt ! ,,Die ganze Stadt beklagte seinen Tod'', schreibt Stadtpfarrer Vincenz in seiner Chronik, und in einem Trauergedicht über Eduard Schlegel heißt es: ,,Noch viele Jahre wird in Isnys Mauern sein Ruhm und Lob von Mund zu Munde geh'n, die späte Nachwelt wird von seinen Werken noch edle Früchte reifen seh'n!''. W. Schweizer |
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